Alleingeborener Zwilling

Dies ist ein Thema, welches erst seit einigen Jahren immer präsenter wird unter Therapeuten, wovon aber mindestens 40 % aller Menschen heutzutage betroffen sind, da es ungefähr so viele Mehrlingsschwangerschaften gibt, die aber meist unbekannt bleiben, weil der zweite oder auch noch ein dritter Embryo relativ früh sterben und über eine nicht weiter beachtete Blutung abgehen, vom Körper der Mutter resorbiert werden oder mitsamt der Plazenta und den halbresorbierten Überresten anwesend bleiben.

Egal wann, ob bei der Geburt oder in der 8. Schwangerschaftswoche, so ist dieses Miterleben des Sterbens des Zwillingsgeschwisters ein Trauma, welches tiefe seelische Wunden reißen kann und es in sehr vielen Fällen auch tut, wie mittlerweile in wachen, therapeutischen Kreisen nur zu gut bekannt ist.

Bettina und Alfred Austermann befassen sich seit Jahren mit dieser Thematik und haben dazu ein sehr aufschlussreiches Buch geschrieben: „Das Drama im Mutterleib“.

In meiner Arbeit spielt dieses Thema immer eine Rolle, da ich weiß, dass bei Betroffenen sich letztlich fast alle problematischen Themen darauf zurückführen lassen, neben den Stammbaumthemen, doch dieses überlagert alle weiteren „Mitgiften“, denn Zwillinge sind anders als Alleingezeugte und bleiben auch ihr Leben lang ein Zwilling/Mehrling.

Ich lasse es anamnestisch einfließen und kann es mittels Biologischem Dekodieren auch bearbeiten. Oft lassen sich andere Themen nicht lösen, bis dieses erkannt wird und integriert werden kann, was wie alles ein Prozess ist. Wichtig ist letztlich die Positionierung im Heute und v.a. im Jetzt, die aber nicht gelingen kann, solange das nichtaufgedeckte Drama im Unterbewusstsein sein Unwesen treibt. Erst mit der Bewusstwerdung, der Trauer, die nicht mehr die ganze Welt umfasst, sondern dem Geschwisterchen gilt, der eigenen Verlassenheit und dem schrecklichen Erleben, welches in den Körperzellen abgespeichert ist, kann der Blick wirklich nach vorne gerichtet werden, hört die Suche auf, kann der Betroffene bei sich ankommen, vermeintliche Schuld endlich loslassen und selbstsabotierende Sühneprogramme beenden.

Yvonne Rauch arbeitet als Therapeutin in Österreich und hat auf ihrer Internetseite einen ausführlichen Artikel zum Thema veröffentlicht, den ich sehr empfehle.